Der Originale „Candyman“ erschien natürlich 1992 mit dem großartigen Tony Todd in der Hauptrolle und wird, wenn es um Horrorklassiker geht, in einem Atemzug mit „A Nightmare on Elmstreet“, „Friday 13th“ und „Halloween“ genannt. Und „Texas Chainsaw Massacre“ natürlich, wobei man in der Aufzählung oberflächlich vermutlich eher einen Fokus auf die ikonischen Slasher legt, man aber durchaus auch von der Bedeutung dieser Filme nicht nur auf das Horrorgenre im Speziellen, sondern auf die Filmindustrie im Allgemeinen, sprechen kann und vor allem sollte.

Tatsächlich ragt „Candyman“ aus der Aufzählung etwas hervor. Während die anderen Slasher eher Personen sind (oder waren) die zu Lebzeiten bereits gestört oder mindestens beeinträchtigt waren, wurde der Candyman erst aufgrund eines abscheulichen Verbrechens mit absolut rassistischem Motiv zu dem übernatürlichen Mörder. Freddy wurde als Kinderschänder von der Nachbarschaft gelyncht, Jason ist ertrunken, weil ein paar Jugendliche lieber Sex hatten, statt auf ihn aufzupassen (na ja und der ganze Mutterkomplex), Michael tötete als Kind schon gerne und Leatherface – puh.

Daniel Robitaille hatte sich als Dunkelhäutiger aber in eine weiße Frau verliebt. Sie wurde schwanger und es war 1890, was dazu führte, dass der Vater der Frau ihn von einem Mob verfolgen und hinrichten ließ, wobei ihm die Hand abgehakt und er mit Honig übergossen wurde, woraufhin er von Bienen tot gestochen wurde (die Bienen standen damals gesellschaftlich als Symbol dafür, dass jeder „Arbeiter“ sich für den Erfolg des Staats aufopfern sollte, um die allgemein vorherrschende Armut der Zeit zu überwinden). Er wurde verbrannt und seine Asche wurde in dem Bezirk verstreut, in dem auch der Film spielt. Cabrini-Green – ein von Armut geprägter Stadtteil, in dem hauptsächlich dunkelhäutige Menschen leben.

Herausragend wird der Film aber gerade erst dadurch, dass wir hier zwar ein durchaus rassistisches Motiv als Prämisse annehmen können, da ein großer schwarzer Mann eine wehrlose weiße Frau verfolgt, um sie zu töten. Betrachtet man das Werk aber weiter, kann man aber auch ganz leicht Robitaille in der Rolle des (oder eines) Opfers argumentieren. Und jetzt stellen wir uns das alles nochmal 1992 vor, als die Gesellschaft noch wesentlich unreflektierter und es völlig normal war, dass ein Schwarzer der Schurke ist. Der Film hatte damals einfach auf grandiose Weise mit den Vorurteilen der Zuschauer gespielt, nur um sie dann irgendwann zu erkennen zu lassen, dass genau dieses Mindset erst dazu führte, dass er zu diesem Rachegeist wurde.

Und vermutlich ist genau das heute noch genauso nötig und kann in einem Setting, zwischen Rassismus und Gentrifizierung, total gut funktionieren.

Das Drehbuch stammt von Jordan Peele, der ähnliche Themen bereits zuvor in „Get Out“ und „Us“ aufgriff. Die Regie führt Nia DaCosta, die bisher mit „Little Woods“ ihr Debüt in Form eines sehr bedrückenden und ebenso fesselnden Dramas ablieferte. Das kam allerdings zudem auch so gut an, dass sich seither eigentlich jeder nur noch fragt, was sie uns als nächstes für Meiterwerke vorsetzen wird. Ich bin daher absolut gewillt zu behaupten, dass das Reboot von Candyman nicht nur unglaublich gut, sondern auch sehr wichtig werden wird. Bei uns startet der Film dann am 18. Juni.

Oh, und Tony Todd ist auch wieder mit dabei!