Ein denkwürdiger Abend mit KIZ, einer S-Bahn-Evakuierung und den Good News Everyone CLXXXIII

Published by Marco on

Mein Wochenende war irgendwie wild. Eigentlich war ich sogar schon am Donnerstag müde von dem KIZ-Konzert in der Wuhlheide, das ich erst am Samstag besuchen sollte/wollte. Aber das hatte mir halt mein lieber Freund zum Geburtstag geschenkt und da kann man sich ja jetzt auch nicht einfach so drücken. Also sind wir dahin und haben vorher schon mal ein paar Biere getrunken, wie man das halt so macht, und noch einen Durstlöscher (Mango-Eistee), wie man das halt so machen sollte, und dann mussten wir uns an der bescheuerten Schlange anstellen. Das Problem ist daran nämlich, dass ich die Einlasssituation an der Wuhlheide einfach so sehr hasse, dass ich mich schon öfter gegen den Besuch eines Konzerts dort entschied. Während nämlich 17’000 Leute in diese Venue passen, gibt es gefühlt nur 5 Ticket-Kontrolleure, was dann ungefähr so aussieht (übrigens hab ich beschlossen, den privaten Tagebuchteil dieser Artikel hin und wieder mal mit Bildern zu spicken, weil man die ja sonst nie nutzt):

Das war dann auch ungefähr der Moment, wo ich meinen Freund verlor, weil ich nämlich so dringend pinkeln musste (wir erinnern uns an die mehreren Biere und den Durstlöscher), dass ich es unmöglich noch eine weitere Stunde ausgehalten hätte. Also sagte ich ciaoi und war mir eigentlich sehr sicher, dass wir uns an dem Abend nicht mehr sehen werden. Für ihn war das vielleicht ganz ok, weil er noch ein paar andere Freunde dabei hatte, die ich halt auch gar nicht weiter kannte, und für mich war es auch ok, weil ich das Treiben erstmal ein wenig mit einem neuen Bier in der Hand beobachtete. Wir haben uns zwar hin und wieder Standorte geschickt, aber wir wissen ja alle, wie sehr das nicht funktioniert, wenn da mehrere tausend Smartphones auf ein Mobilfunknetz zugreifen, das seit 20 Jahren die Digitalisierung verpennt hat. Dafür fand ich dann im dem Gekuschel relativ schnell neue Freunde und war dann auch irgendwie endlich drin, nachdem ich ärgerlicherweise den Eröffnungs-Act (Audio88 und Yassin) verpasst hatte.

Ich hatte, wie gesagt, eigentlich bereits aufgegeben meinen Freund wieder zu finden, also bin ich halt direkt nach vorne. Bier hatte ich ja bereits genug in mir und den Überschuss auch bereits entsorgt – ich war also bereit und irgendwie habe ich es dann sogar geschafft, sehr weit nach vorne zu kommen und es war einfach richtig wild. Es gab Pogo, Geschunkel, ein bisschen Schubsetanz, es tat einfach alles richtig gut und die Stimmung war unglaublich positiv. Wenn Leute (zum Beispiel ich) hinfielen, wurde ihnen aufgeholfen, hin und wieder wurde ein Schuh verloren und manchmal sogar wieder gefunden und alle waren glücklich, dass es sowas wie eine Maskenpflicht gibt, damit man am Ende nicht den ganzen Staub der Wuhlheide in der Nase mit nach Hause tragen muss. Als das Konzert dann vorbei war, ich mein 8-Euro-Abschlussbier getrunken und mir noch ein Nicki gekauft hatte, versuchte ich nochmal meinen Freund zu finden, schunkelte dann aber beseelt zur Bahn und dann wurde auf einmal alles komisch.

Der Bahnhof war brechend voll und ich wartete noch ein paar Momente, telefonierte zwischenzeitlich mit besagtem Freund, der sich vermeintlich irgendwo in Köpenick befand, rauchte 13 Zigaretten und quatsche ebenso viele Leute voll, bis ich mir dann auch mal das ok gab, diesen ÖPNV zu benutzen. Es war nicht mehr ganz so aber doch noch unglaublich voll, aber die Leute hatten immer noch ihre gute Stimmung. Wir fuhren, die Leute sangen, alles war cool, bis die Bahn auf einmal mitten im Nirgendwo anhielt. Wir standen ungefähr eine Stunde herum und beobachteten draußen Leute mit Taschenlampen herum laufen, während manche schon die Türen öffneten, weil sie pinkeln und/oder rauchen mussten/wollten und niemand meine Vorstellung von einer neuen Zivilisation, die ich an Ort und Stelle gründen wollte, hören wollte, weil man in solchen Situationen ja auch immer davon ausgehen muss, dass man sich auf einmal in einer parallelen Dimension befindet… oder so. Ich bin einfach gerne für alles gerüstet.
Nachdem wir da also erstaunlich lange ohne Infos ausharrten, kam irgendwann die Feuerwehr und evakuierte die ganze Bahn, was ich gleichermaßen spannend (weil ich sowas noch nie erlebte), als auch bedrückend (weil das ja auch alles Gründe hat) fand. Hier und da war man besorgt, manche waren aber zu aufgedreht, um die Lage völlig zu begreifen, und baggerten die Bullen an, was den Unmut der besorgten auf sich zog und die Situation noch surrealer werden ließ. Auf einem Zettel, den ein Notarztmensch gerade ausfüllte, las ich was von „vorläufige Todesursache“ und na ja…

Wenigstens konnte ich mir einen langjährigen Traum erfüllen und endlich mal so eine Plombe klauen, die die Türnotöffnungen der S-Bahnen sichert. Darüber bin ich erstaunlich glücklich, um nicht zusagen, voller diebischer Freude.

Gute 3 Stunden nach dem Konzert war ich dann auch endlich zuhause und bemerkte, dass meine blauen Schuhe vor Staub ganz grau waren, mein restlicher Körper ebenso, und ich neben den Wunden von letzter Woche noch ein paar neue verzeichnen kann. Der Rest des Wochenendes war dann, wie man es nach so einem Abend erwarten würde, einfach nicht weiter existent.

Am nächsten Tag erfuhr ich, dass mein Freund gar nicht in Köpenick war, sondern nur sehr betrunken viel weiter vorne im gleichen Zug.

War das jetzt eigentlich eine gute persönliche Nachricht, wie ich es immer so mache? Irgendwie schon. Auf jeden Fall war es schräg und ich muss mal überlegen, ob ich das mit den Fotos nicht vielleicht auch weiterhin so machen könnte oder sollte. Bis dahin aber erstmal viel Freude mit den guten Nachrichten der Woche…

Ab dem Jahr 2030 sollen alle produzierten Rotorblätter vollständig recycelbar sein. Zehn Jahre später soll dies dann auch für die verbauten Turbinen gelten.

Vor Helgoland: Das weltweit erste Windrad mit recycelbaren Rotorblättern dreht sich (trendsderzukunft.de)

Der Ausbau von Fernwärme aus erneuerbaren Energiequellen soll mit mehreren Milliarden Euro gefördert werden. Die EU-Kommission hat die Beihilfen erlaubt. Betreiber können nun direkt Zuschüsse erhalten.

Erneuerbare Energien Milliardenhilfe für „grüne“ Fernwärme (tagesschau.de)

Für 50 im Berliner Stadtgebiet verteilte Toiletten entfällt das Nutzungsentgelt. 230 weitere öffentliche WCs sollen nur noch per bargeldloser Zahlung nutzbar sein.

Öffentliche WCs Berlin testet Nutzung kostenfreier Toiletten (spiegel.de)

Die Kette Waitrose will ihre Kunden zum Kauf von Lebensmitteln bewegen, die zwar per Datum abgelaufen sind, aber noch essbar. Ein entsprechender Hinweis soll auf gut 500 Artikeln verschwinden.

Kampf gegen Lebensmittelverschwendung Supermarktkette in Großbritannien schafft Mindesthaltbarkeitsdatum ab (spiegel.de)

Ecuador hat im Kampf für den Artenschutz auf den Galápagos-Inseln einen weiteren Erfolg gemeldet. Die Landleguane, die vor mehr als einem Jahrhundert auf einer der Inseln ausgestorben waren, vermehrten sich nach ihrer dortigen Wiederansiedlung nun auf natürliche Weise.

Galápagos-Landleguan breitet sich wieder auf Insel Santiago aus (deutschlandfunk.de)

Das globale Energie-System könnte für 62 Billionen US-Dollar komplett auf Wind-, Wasser- und Solarkraft umgebaut werden. Nach nur sechs Jahren hätte sich die Investition vollständig amortisiert.

100 Prozent erneuerbare Energie global möglich (forschung-und-wissen.de)

Ein neues Gesetz soll Whistleblower*innen davor schützen, Nachteile zu riskieren, wenn sie Missstände aufdecken. Dazu hat das Bundeskabinett nun einen Gesetzentwurf verabschiedet.

Neues Gesetz zum Schutz von Whistleblowern (deutschlandfunknova.de)

Die befürchteten negativen Folgen für die Wettbewerbsfähigkeit von Firmen in Deutschland durch den gesetzlichen Mindestlohn sind einer Studie zufolge ausgeblieben.

Studie Mindestlohn in Deutschland hat die Produktivität gesteigert (spiegel.de)

Der Studie zufolge könnten mehr als drei Millionen Menschen durch die Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken eine bessere Verbindung ins nächstgelegene regionale Zentrum bekommen. Positive Effekte gäbe es auf Wirtschaft, Verkehr, Umwelt und Gesellschaft.

Studie: Reaktivierung von Bahnstrecken lohnt sich (n-tv.de)

Die Stadt (Palma) hat beschlossen, dass Kutschfahrten aus Tierschutzgründen verboten werden. Stattdessen sollen künftig Elektrokutschen angeboten werden.

Mallorca-Reisen: Pferdekutschen-Verbot in Palma ab 2024 wegen Tierquälerei (rnd.de)

Die Supermärkte Rewe, Nahkauf und Penny wollen bundesweit in allen Märkten auf Plastiktüten verzichten. Damit soll ihre Nachhaltigkeitsstrategie weiter ausgebaut werden.

Supermarkt: Rewe & Co ersetzen Plastik-Tüten fürs Klima (watson.de)

Australien ist von den Folgen des Klimawandels besonders stark betroffen – unternahm bislang jedoch wenig. Das soll sich ändern: Das Repräsentantenhaus hat erstmals ein Klimagesetz auf den Weg gebracht.

Nach langem Zögern Australien beschließt Klimagesetz (tagesschau.de)

Der Stadtwald von Lübeck wird nach dem Konzept der „naturnahen Waldnutzung“ bewirtschaftet. Eine Strategie, die sich auszahlt, sagt Forstwirt Knut Sturm – der Wald vor Ort sei stressfester für den Klimawandel als anderswo.

Mehr als nur eine Holzfabrik (deutschlandfunkkultur.de)
Categories: Good News

3 Comments

Florian · 9. August 2022 at 11:42

Ich war tatsächlich in Köpenick 😀

Das Problem war nur die Orientierung. Als ich verstanden hab in welche Richtung es geht hab ich erstmal einen Döner gegessen und auf eine leere Bahn gewartet.
Die Bahn die kam war dann diese 🙂
Ich fand das sehr aufregend, ich konnte sehen wie die Feuerwehr den Zaun miteinander großen Flex kaputt gemacht hat. Alles sehr Metal so eine pyroshow

Taxi gibt’s in Köpenick anscheinend nicht.

TURBOMARCOW (@Fadenaffe) · 8. August 2022 at 16:30

Ein denkwürdiger Abend mit KIZ, einer S-Bahn-Evakuierung und den Good News Everyone CLXXXIII https://t.co/HHUquSKLW0

29 „Kleinigkeiten“ gegen Langeweile am 14.08.2022 - Meine Link-Tipps der Woche! · 14. August 2022 at 9:26

[…] Marco hat es zum Glück noch nach Hause geschafft, um neue gute Nachrichten zu sammeln! […]

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