das kaputte Internet

Ihr habt es ja sicher selbst bemerkt, dass hier seit längerer Zeit einfach nichts mehr passiert ist. Ich will mich dafür eigentlich gar nicht entschuldigen und ich will vor allem keinen “Hallo ich lebe noch und schreibe bald wieder mehr versprochen”-Artikel dazu verfassen, aber ich möchte vielleicht gerne darüber sprechen, was mir die letzten Wochen und nunmehr eigentlich eher Monate durch den Kopf ging und wo eigentlich genau mein Problem (als wäre es nur eines) lag und liegt.

Im Grunde fing es damit an, dass ich das Internet zu hassen begann. Es geschah irgendwann Mitte letzten Jahres, dass ich bemerkte, wie mich eigentlich vieles nur noch nervt. Ich bin gerne und viel auf Twitter aktiv und sehe da ja die wöchentliche Sau, die durch das digitale Dorf getrieben wird. Es wird sich über irgendetwas, mitunter durchaus auch zu Recht, aufgeregt, worauf einige mit Verständnis reagieren und sich andere, natürlich mitunter auch völlig zu Recht, darüber lustig machen. Die Fronten verhärten sich, es wird gepöbelt, getrollt, niemand hat Verständnis für eine andere Wahrnehmung und ein paar Tage später ist alles wieder vergessen, weil da ein neues Thema ist, über das man sich hobbymäßig aufregen kann. Derweil schwappt die Empörung in andere, etablierte Medien, die das alles aufgreifen und dabei scheinbar vergessen, dass es ja auch noch andere, vielleicht sogar wichtigere Themen gibt, über die man mal nachdenken sollte. Empörung und Aufregung ist so eine Sache, mit der ich nur bedingt etwas anfangen kann, weil ich das Gefühl habe, dass es faktenblind macht und eine objektive Diskussion behindert. Es ist anstrengend und nicht zielführend und das nervt mich ein bisschen.

Ein anderer hassenswerter Aspekt ist die voranschreitende Reglementierung des Internets von gesetzgebender Seite. Es gab da die DSVGO, die vielen Kopfschmerzen bereitete (und wieder etwas war, das heißer gekocht als gegessen wurde), momentan ist es die Kennzeichnungspflicht für Werbebeiträge, mit der sich ganz offensichtlich kaum jemand, der sich darüber beschwert, ausreichend auseinander gesetzt hat, und tatsächlich finde ich die Impressumspflicht auch schon mindestens schwierig. Es ist ein Gefühl, als sei Anonymität im Internet nicht gewollt, was aber mit der grundlegenden Architektur des Internets mindestens schwer vereinbar ist. Das liegt in meinen Augen auch einfach daran, dass sich die Entscheidungsträger einfach nie ausreichend damit auseinandergesetzt haben. Es ist unglaublich frustrierend und ich frage mich oft, wie sich das Internet in fünf, 10 oder 20 Jahren anfühlen wird. Einerseits nimmt es einen immer größeren Teil unseres Alltags ein, andererseits steigt aber auch die Chance unglaublich viel falsch zu machen.
Ich weiß, dass sich das liest, als fände ich anonyme Hatespeech im Internet schützenswert, aber viel mehr geht es mir darum, dass vielleicht nicht jeder wissen können muss, dass ich nach erektiler Dysfunktion google, oder dass ich kein ernsthaftes Problem bekommen möchte, weil ich einem ausgewählten Kreis von vielleicht 2000 Leuten die Werke eins Künstlers zeigen möchte, den ich total super finde. Es ist eben ein sehr zweischneidiges Schwert und ich habe das Gefühl, dass die kulturelle Entwicklung des deutschen Internets auf der Strecke bleibt. Denkt doch einfach mal drüber nach, was für deutsche Memes ihr so kennt. Viele sind es womöglich nicht und die meisten sind “für mich Abfall“. (Ja ja, Anzeige ist raus)

Allerdings hatte und habe ich auch sehr persönliche Gründe, warum ich diesen Blog hier einfach nicht mehr befüllen wollte. Ich hatte nämlich irgendwann beschlossen, dass er dringend ein Redesign braucht. Ich wollte es schöner, funktionaler, irgendwie moderner und so begann ich ein Theme zu bauen. Weil ich aber weder Themebauer noch ein besonders guter Layouter, geschweige denn Grafiker bin, war das natürlich ein Ding der Unmöglichkeit. Also kaufte ich ein Theme und passte das an. Weil die Probleme aber die gleichen, wenn auch schwächer, sind, dauerte auch das wieder ewig, was zusammen mit meinem Perfektionismus einfach für unglaublich viel Frust bei unglaublich wenig Ergebnissen sorgte, bis ich genau heute den vermutlich folgenschweren Entschluss fasste, das jetzt einfach so zu lassen und alles irgendwie nach und nach anzupassen. Ich wollte halt doch irgendwann wieder schreiben und mich nicht mit dieser ganzen Grafikscheiße auseinandersetzen. Verdammt, Jim! Ich bin Software Entwickler und kein Pixelschubser!
Daher sieht es jetzt alles irgendwie unfertig, aber funktionell aus. Ihr verzeiht das, ich weiß es, und irgendwann kann ich es mir auch verzeihen.

Ein anderer Punkt ist aber auch, dass ich einfach vergessen habe, was ich bin, wer ich bin, was ich will und wohin ich will. Ich bin kein großer Blogger, ich wollte das auch nie sein. Bekannt gerne, aber ich bin nicht Nerdcore, weil den gibt es ja schon. Ab und zu eine Kooperation mit einer Marke ist durchaus nett, weil ich Geld halt auch durchaus nett und nützlich finde. Ich habe allerdings vergessen, dass mir Werbung auf diesem Blog gar nicht so wichtig ist, weswegen ich auch eigentlich gar nicht den Zwang habe, täglich mehrere Artikel zu veröffentlichen, um für Werber ansprechende Besucherzahlen vorweisen zu können. Das ist gar nicht meine Rolle, denn ich habe doch einen Job, in dem ich mein Geld verdiene. Bloggen soll für mich nur ein Hobby sein, in dem ich mich ausdrücken kann, in dem ich euch vielleicht schöne Dinge zeigen kann, die mir selbst gefallen, und nicht den neusten Trailer eines Blockbusters, den ihr eh schon auf Youtube, Instagram, Twitter oder Facebook gesehen habt, nur um so etwas wie “wow toller Trailer, wird ‘ne Wucht, klasse Farben, wow” drunter zu schreiben.
Das zu verstehen hat bei mir tatsächlich lange gedauert. Ich kann sicherlich in einer Sache sehr große Ambitionen entwickeln, was irgendwie den Ansprüchen an mich und an dem, was ich so tue, geschuldet ist. Aber sie sind fehlgeleitet und führen zu falschen Schlussfolgerungen. Und wenn ich dann 5 oder keine Ahnung wie viele Artikel geschrieben habe, die ich zwar durchaus spaßig und unterhaltsam aber einfach nicht nachhaltig finde, habe ich eben auch keine Kraft mehr für einen längeren Artikel, der beispielsweise eine Comicreview sein könnte, obwohl mir die doch eigentlich viel mehr Spaß machen. Und wo ich es jetzt mal aufschreibe, merke ich ja auch selbst, wie bescheuert ich eigentlich bin.

Allerdings gab es da Ende letzten Jahres noch eine Sache, die mich ein bisschen aus der Bahn geworfen hat. Gefühlsscheiße, ihr wisst schon. Am Ende saß ich dann jedenfalls da (im übertragenen Sinne, weil ich war auch oft draußen oder lag) und hinterfragte im Grunde alles. Mich, meine Verhaltensweisen, das Internet, meine Gedanken und was ich vor allem eigentlich möchte und kam zu einigen Entscheidungen:

Ich will das Internet retten.

Okay, nein, das ist zu hoch gegriffen. Ich möchte viel mehr dazu beitragen, dass das Internet ein angenehmer Ort wird. Ich möchte mich ausdrücken und über Dinge reden, euch Dinge zeigen und andere Dinge ausprobieren. Das bedeutet also, dass ich natürlich weiter Dinge hier rein schreibe und nicht traurig bin, wenn das nur wenige lesen (zumal ich die Statistiken schon seit ewigen Zeiten nicht mehr konsultiere), weil ich weiß, dass es Leute lesen, die es interessiert. Du sagst Blogs seien tot? Vielleicht stimmt das, vielleicht müssen sie aber auch nur reanimiert werden und ich fange einfach mal damit an. Ich will neue Dinge ausprobieren und mal schauen, was eigentlich alles so geht, weswegen ich Facebook direkt aus diesem Blog verbannt habe (die Fanseite wird noch automatisch befüllt, aber rechnet nicht damit, dass ich mich da melde), dafür aber Telegram als Kanal eröffne, über den ihr den Blog konsumieren und gerne auch mit mir Kontakt aufnehmen könnt. Mal schauen, wie das so klappt. Ich will mit meinen Inhalten gehaltvoller und weniger belanglos werden, ich will wieder Comicreviews schreiben und vielleicht auch mal andere Dinge testen, an die ich jetzt gerade noch gar nicht denke. Vielleicht schreibe ich auch mal auf, was ich so erlebe oder zeige einfach ein Foto. Wer weiß das schon. Ich will vor allem Spaß haben und wenn das bedeutet, dass ich mich nicht jeden Tag drei Stunden hinsetze und irgendwas tippe, dann finde ich das in Ordnung.

Keine Ahnung, was meine Online-Zukunft bringt, aber ich weiß, dass es sie gibt. Wenn ihr mich lasst.