Elite Dangerous ist wie diese eine Person, mit der wir alle irgendwann mal zusammen waren. Wenn es schön war, war es richtig, richtig schön und wenn es blöd war, dann war es richtig, richtig blöd. Wir wissen genau, warum wir sie mochten, gar liebten, aber in den schwierigen Momenten fragten wir uns schon, was wir hier eigentlich treiben und warum wir nicht gerade einfach nur so völlig betrunken sind. Ihr kennt das. Also wenn ihr das kennt, dann tut mir das Leid, aber es gehört wohl dazu – wenn ihr es hingegen nicht kennt, dann tut mir das auch Leid, weil es irgendwie dazu gehört, aber es tut mir noch sehr viel mehr Leid, weil ihr das vermutlich noch erleben werdet. Es ist, wie es ist.

Aktuell habe ich seit August letzten Jahres fast 350 Stunden darin abgesessen. Ich weiß nicht, ob das viel ist, weil ich zwischendrin auch mehrere Wochen am Stück keine Zeit dafür hatte, aber es ist wohl eines der Spiele, dass ich tendenziell eher exzessiv spiele(n könnte). Und es ist halt auch einfach super geil, wenn es geil ist. Die Grafik ist toll, ich liebe es im Nichts herum zu schweben und der erste zu sein, der ein Sternensystem besucht (das passiert bei 400 Milliarden Systemen, von denen aktuell 0.5% erforscht, sind tatsächlich relativ häufig), ich liebe das abbauen von Mineralien für Geld, das abschießen von „Schurken“ (alles eine Frage der Definition) auch für Geld oder das einfach Sachen machen und Dinge erforschen. Es ist meine liebste Realitätsflucht, obwohl die Bezeichnung „Truck Simulator in space“ auch einfach alles andere als falsch ist.

Es gibt da aber eben auch sehr viel Scheiße, da muss man ehrlich sein. Der großartige Yamiks erzählt es uns hier im ersten Teil seines hyperkritisches Reviews (lasst euch drauf ein. Er ist schräg, aber man findet das sehr schnell sehr witzig)

Es ist leider wirklich so, dass das Spiel ohne 3rd Party Tools nicht viel Sinn ergibt. Es ist allerdings auch cool, dass die Community da so bereit und fähig ist, Sachen zu machen, wohingegen es eben blöd ist, dass die Entwickler es nicht sind und hier und da eben auch einfach versagen. Alles, was nicht direkt mit dem Raumschiff zu tun hat, in dem man gerade sitzt, ist irgendwie halbgar und hohl. Dafür sind die Raumschiffe eben super cool, der Weltraum ist toll und das Gefühl 7000 Lichtjahre (für die Reise habe ich ungefähr 3 Tage gebraucht, aber ich bin auch nicht die kürzeste Route geflogen) von zuhause weg zu sein, wird schon sehr sehr gut transportiert. Dass ich dann aber den mega Grind habe, um Materialien zu sammeln, damit ich den einen Aspekt der einen Komponente in meinem Raumschiff um 20% verbessern kann, ist dann schon wieder irgendwie anstrengend. Aber man macht das halt auch, weil man sich dabei eben auch wieder irgendwo herumtreiben kann.

Aber wenn ich ehrlich bin, mache ich beim Spielen immer noch irgendwas anderes nebenher. Meistens schaue ich Dating-Shows auf TV NOW, das ich blöderweise vergessen hatte abzubestellen, oft höre ich auch Podcasts und wenn ich Piraten jage muss es natürlich 80s Hair Metal sein („Kickstart my Heart“ von Mötley Crüe ist da einfach der perfekte Sound, obwohl mein momentanes Raumschiff für diese Art der Unterhaltung „ICH RASIER EUCH ALLE“ heißt).

Hawkes Gaming hat selbst auch ein Video gemacht, in dem er erklärt, warum er das Spiel liebt, viel toller finde ich da aber das Video, in dem er seine Patreons zu Wort kommen lässt.

Und ja. Es ist alles schön, es ist alles schräg und vor allem ist alles schwierig und kompliziert. Aber wenn man etwas gemeistert hat, irgendetwas geschafft, eins der selbstgewählten Ziele erreicht (das Spiel selbst gibt einem ja keine), ist man einfach so irre Stolz auf sich. Das kann kaum ein anderes Spiel.

Dazu muss ich aber sagen, dass ich es bereits einigen Leuten angedreht habe und diese Begeisterung, wie ich sie empfinde, nicht so richtig aufkam. Das ist allerdings vollkommen okay, sind das auch manchmal genau die Leute, die man kennen muss. Das sind nämlich auch gerne mal diese Leute, die dich auf deine neue exklusive Herzperson mit einem lieb gemeinten „Echt jetz?“ ansprechen. Die Menschen brauchen wir genauso in unseren Leben, wie hin und wieder auch mal ein Spiel, in das man sich flüchten kann.

And always remember: Fly dangerously o7

Übrigens könnt ihr euch gern meinen Twitter-Thread anschauen, in dem ich hin und wieder ein paar hübsche Screenshots veröffentliche.