Originaltitel: How to Draw, Volume 1
Herausgeber: Panini
Veröffentlicht: 21.06.2011
Künstler: Dave Gibbons, Frank Cho, Joe Linsner und viele andere mehr
Art: Softcover
Seiten: 120
Sprache: deutsch
Preis:
12.90€
U-Bahnlesetauglichkeit: Bis zu dem Kapitel über Sinnlichkeit von Adam Hughes geht alles gut
Rating: Sicher nützlich aber nicht zwangsläufig nötig.

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Gezeichnet habe ich eigentlich schon immer gerne und nach Aussagen anderer auch gar nicht so schlecht. Allerdings ist meine Zeichenkarriere, die auch nie den Kinderschuhen entwuchs, schon viele Jahre her und von realistischen Comics, gar Comcihelden, konnte man da auch überhaupt nicht sprechen. Die Ambitionen waren da, die aber leider wegen meiner Lebensumstände etwas eingedämmt wurden. Damit meine ich aber auch nur, dass mir die Arbeit Freizeit raubt, was aber auch eher ein generelles Problem für die Dinge ist, die einem Spaß machen. Ihr kennt das ja bestimmt. Jedenfalls ließ ich mir kürzlich mal den Comiczeichenkurs zuschicken, um das ganze Thema vielleicht nochmal völlig unbedarft anzugehen und das ganze von der Pike auf zu lernen. Wie und ob es geholfen hat könnt ihr in folgender Review lesen.

Wieso gibt es hier denn keine Bilder?

Eigentlich war es, als ich anfing dieses Werk zu lesen, so gedacht, dass ich diese Review mit selbstgezeichneten Bildern schmücke. Das hat allerdings aus mehreren Gründen nicht funktioniert. Zu allererst natürlich deswegen, weil ich in dem Bereich viel zu selbstkritisch bin, um auch nur irgendwas vorzuführen. Die Ohren, Nasen und Augen und sicher auch in gewisser Weise die Figuren, die ich da zeichnete, waren schon ziemlich okay und sahen auch recht gut aus. Aber eben nicht gut genug.
Ein anderer und viel wichtigerer Grund, der auch mit dem ersten irgendwie einher geht, ist, dass euch dieses Buch nicht beibringt, wie man richtig und richtig gut zeichnet. Es bringt euch viel mehr bei, wie man richtig und richtig gut zeichnen lernen kann und erhebt dabei selten den Anspruch auf absolute Richtigkeit. “Es” sind in diesem Fall aber auch eher bekannte Künstler (die übrigens vorwiegend für Marvel zeichnen), die uns in verschiedenen Kapiteln, jeder in seinem eigenen, erklären, wie man die Sache richtig angehen kann. Manche Dinge, wie gewisse Abstände, lassen sich natürlich nicht über den Haufen werfen, allerdings ist man bei anderen Dingen freier und diese Künstler, darunter zum Beispiel Adam Hughes, erklären dann, wie sie das ganze sehen.
Dabei liegt es natürlich in der Natur der Sache, dass sie sich auch in einigen Punkten widersprechen.

Und was hast du so gelernt?

Was man hier wirklich lernt ist, wie man Figuren zeichnen kann, die wirklich realistisch sind, aber eben auch dem Comicstil entsprechen. Das heisst, das Frauen meist sehr (seeehr) weiblich dargestellt werden, während Männer eher kernig und kantig sind, weibliche Nasen verschwinden fast und männliche Muskeln aus einem Bodybuildermagazin stammen könnten. Tatsächlich ist das nicht nur so daher gesagt, denn viele der Künstler, die hier zu Wort kommen, geben tatsächlich genau diesen Tipp: In solchen Magazinen (auch “solchen” – ihr wisst schon. Erotik.) Inspirationen sammeln.
Wie man das ganze also angeht, kann man hier wirklich ganz wunderbar lernen und wenn man sich die einzelnen Entwicklungsstadien der Bilder so ansieht, scheint das alles auch wirklich nicht sonderlich schwer zu sein. Stimmt aber nicht. Es ist verdammt schwer. Aber das ist auch gut so, denn sonst könnte es ja jeder.
Was mir hier aber wirklich ein bisschen fehlte waren die ein oder andere Übung, mit der man das gelernte quasi geführt umsetzen konnte. Es ist zwar ganz nett über Proportionen und Kreise und derlei zu lesen, aber an die Hand genommen zu werden, um das mal auszuprobieren hätte ich doch recht hilfreich gefunden.

Fazit?

Tatsächlich glaube ich, dass dies hier ein ziemlich gutes Nachschlagewerk ist. Man lernt zwar nicht perfekt zu zeichnen, aber man bekommt doch ein paar praktische Tipps, wie man die Sache überhaupt erstmal angehen könnte. Vor allem auch die Insidertipps bekannter Künstler sind doch sehr praktisch, wobei ich das eine Kapitel über die Sexiness der Frau doch etwas befremdlich fand, zumal der Künstler (ich weiß gerade nicht mehr, wer es war) darüber sprach, was ihn bei Frauen anturnt. Abgesehen davon aber ist das hier gerade für Anfänger interessant, wobei Fortgeschrittene aber sicher auch noch etwas dazulernen können.

Ein ganz wichtiger Punkt aber ist, und das dürfte auch für Leute interessant sein, die eigentlich nicht mit dem Zeichnen anfangen wollen, dass man Comics, wenn man dieses Buch gelesen hat, doch ein bisschen anders wahrnimmt. Man achtet viel mehr auf Details, wie die Figuren gezeichnet sind, wie ihre Stimmung ist und man jetzt auch festmachen, warum ein Comic gut oder schlecht gezeichnet ist. So ging es mir jedenfalls.

Disclaimer: Vielen Dank an Panini dafür.