Herausgeber: Splitter
Veröffentlicht: 15.11.2010
Künstler: Éric Corbeyran, Grun
Art: Übergroßes Hardcover
Seiten: 56
Sprache: deutsch
Preis: 13,80 €
U-Bahnlesetauglichkeit: Zu groß, viel zu groß
Rating: Klick-Klack, klick-Klack, Klick-

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“Metronom” handelt von einer Zukunftsdystopie, in der die Demokratie zu einer Farce verkam und das Volk mit sinnlosen Abstimmungen um noch sinnlosere Gesetze bei Laune gehalten wird, während Selbstmord als Verbrechen an der Gemeinschaft gilt. Mitten in diesem totalitären System agieren der rebellische Journalist Floreal Linman und Flynn, die ihren Mann mutmaßlich bei einer Weltraummission verlor, um ein ungeheures Geheimnis zu lösen. Ob sie es lösen konnten, was es mit dieser Weltraummission auf sich hat, wie diese Welt im Detail aussieht und wie ich das alles fand, könnt ihr in folgender Comicreview nachlesen.

Erzähle uns mehr aus dieser düsteren Welt!

Tatsächlich ist die Welt, in der die beiden Hauptprotagonisten agieren, stellenweise das Interessanteste an dem ganzen Buch. Die Presse wird komplett zensiert, Selbstmorde, die mitunter gar nicht selten zu sein scheinen, gelten als wirtschaftliches Verbrechen, bei dem genaue Zahlen berücksichtigt werden, und Kunst ist im Allgemeinen verboten. Das Volk wird in seinen völlig überfüllten Großstädten dabei aber mit Wahlen über fragwürdige Gesetze bei Laune gehalten, die natürlich komplett elektronisch ablaufen und sowieso steht hier die Gemeinschaft weit vor dem Individuum.
In dieser Welt lebt der frei denkende Journalist Floreal Linman, der mit seiner unbequemen Art öfter anstößt und auch im Verdacht steht, durch die Vervielfältigung eines symbolischen und dadurch staatskritischen Kinderbuchs über ein Metronom eben jenes Regime anzugreifen, während er seinen eigentlichen Lebensunterhalt mit dem illegalen Verkauf von Kunstwerken bestreitet.
Die andere Hauptprotagonistin, Lynn Forester, hat weniger rebellische Ambitionen und versucht lediglich ihren Mann zu finden, der sich nach einer Weltraummission nicht zurückmeldete. Um mehr Informationen dazu bekommen, beauftragt sie Linman, der natürlich gleich ganz Ohr ist, könnte dies doch ein Artikel sein, der Regierung unbequeme Fragen zu stellen, ihr bei der Suche zur Seite zu stehen.

Und? Was findet er heraus?

Ich könnte es an dieser Stelle natürlich verraten und würde es auch gerne, ist es doch ein ziemlicher Hammer, der die ganze Geschichte in eine ziemlich interessante Ecke treibt, die einen quasi dazu zwingt, sich auf den zweiten Band zu freuen, obwohl es einem das Buch mit seiner eher trägen Art vorher doch ein wenig schwer machte. Die Geschichte scheint nämlich eher zu tröpfeln, als sich zu entwickeln, während die Protagonisten mitunter auch recht kopflos durch diese Welt torkeln und sich eher von den Ereignissen tragen lassen, als wirklich aktiv zu sein. Sicherlich ist das mitunter für eine gute Geschichte auch völlig okay, fühlt sich bei diesem geringen Umfang hier von lediglich 56 Seiten aber doch ein wenig wie verschwendeter Platz an.

Und die Zeichungen?

Die Bilder sind eigentlich gar nicht so düster, wie man es vom Stoff her erwarten würde, was sich tatsächlich auch recht erfrischend anfühlt. Dazu sei gesagt, dass hier auch weniger die Zeichnungen selbst das Bild gestalten, als tatsächlich die Kolorierung, was ein schwierig zu erklärender Zusammenhang ist, aber recht klar wird, wenn man ein Beispiel (weiter unten) sieht. Ich mag die Bilder doch sehr, da sie die Stimmung der Geschichte erstaunlich gut einfangen, obwohl die Kleidung und gerade die Frisuren doch sehr retro wirken. Aber das ist eben zukünftige Mode, das muss man nicht verstehen.

Fazit: Ich mache das wirklich sonst nie, muss mir bei diesem Comic aber wirklich auch den Preis vor Augen halten. Für knappe 14 Euro bekommt man hier nämlich ein äußerst schmales Buch, mit einer Geschichte, die nicht so richtig an Schwung gewinnt und auch erst am Ende wirklich interessant wird, aber dabei gar nichts aufklärt. Es ist mir ein bisschen unangenehm, das so zu reduzieren, kann es vor mir selbst aber auch nicht wegdiskutieren. Wenn einem das nicht so wichtig ist (oder man das Buch irgendwo ein bisschen günstiger bekommen kann) hat man hier aber den Anfang einer Trilogie, die echt noch sehr interessant und vielleicht sogar sehr gut werden könnte. Dies kann aber auch erst frühstens mit dem zweiten Band sagen.

Übrigens gibt es an dieser Stelle ausnahmsweise keine Panels zur Visualisierung des Visuellen zu sehen, sondern ausnahmsweise mal einen Trailer. Bitteschön:

Vielen Dank an Splitter, die mir diesen Band zur Rezension zur Verfügung stellten.