Herausgeber: Panini
Veröffentlicht: 15.06.2012
Künstler: Thorsten Wilms & Schwarwel
Art: A4 Softcover (Prestige)
Seiten: 52
Sprache: deutsch
Preis: 6,90 €
U-Bahnlesetauglichkeit: Warum sollte eine Psychpunkband denn fragwürdig sein?
Rating: 6 von 8 untote Daumen nach pben

Kaufbar bei Amazon (Partnerlink) oder direkt bei Panini, leider ohne Leseprobe.

Vermutlich ist es euch schon das ein oder andere Mal aufgefallen, dass Psychobilly genau mein Ding ist. Wenn man sich ein wenig mit dem Musikgenre (Ach was sag ich: Lebenseinstellung) beschäftigt hat, kommt man ziemlich schnell zu einer Band namens „The Other“. Nicht nur, weil das eine ganz schön gute Band ist, sondern auch, weil sie völlig zu Recht sehr bekannt sind.
Um ihr neues Album zu promoten, vermutlich ging das aber alles eher Hand in Hand, veröffentlichten sie mit dem deutschen Zeichner Scharwel als Verstärkung, einen Comic, über den wir jetzt hier mal genauer reden müssen.
Wie Psychobilly als Comic funktioniert, ob die Band da einen guten Comic ablieferte und wie ich das alles finde, erfahrt ihr in folgender Review.

Wie kann denn einfach eine Band ihr Metier wechseln und einen Comic machen?

Offenbar ganz einfach und offenbar auch gar nicht so schlecht und sie sind ja auch nicht die ersten, veröffentlichten doch KISS im Rahmen der Erschaffung ihrer KISS-Army nicht nur Comics, sondern auch Pez-Spender, Seife, Boxershorts und Plüschtiere.
Zur Unterstützung nahmen sie sich aber auch den bekannten deutschen Zeichner Schwarwel dazu, wobei ich hier eine Entführung und tagelanges Einsperren zur Willensbrechung nicht abstreiten möchte. Scharwel ist unter anderem für seine vielen Werke bekannt, darunter „Seelenfresser“ und „Schweinevogel“, für den er extra mit Bela B. Den Verlag EEE, Extrem Erfolgreich Enterprises, gründete. Darüber hinaus hat er aber auch einige animierte Videos für Die Ärzte und Rosenstolz produziert und zeichnete auch einen riesigen Haufen Trickfilme. Ihr seht also, er ist nicht unbescholten, was dieses Handwerk angeht.

Aber was für eine Story sollte eine Psychopunkband schon erzählen?

Natürlich eine Horrorstory! Die Band ist in alle Himmelsrichtungen verstreut und während Rod Usher sich seiner einzig wahren Liebe (und noch zwei weiteren Mädels) hingibt, ist Sarge van Rock unterwegs und nascht Leichen, währenddessen Doktor Caligari in seinem Labor moralisch bestenfalls fragwürdigen Experimenten nachgeht.
Kaum benetzt Rod seine Liebste beim Liebesspiel mit Wasser, wandelt diese sich direkt in eine Medusa und will Rod aufgrund eines des Fluches des Athenekults töten. Zeitgleich werden auch die anderen Mitglieder der Band von Anhängern des Kultes angegriffen, können sich aber natürlich dessen erwehren. Doktor Caligari wird dabei aber der Kopf des vierten Mitglieds der Band, Migore, zugesandt – auf diesen kann man also nicht mehr zählen.
Die Band muss sich also neu formieren und einen Plan aushecken, um den Kult nieder zu schlagen. Dazu brauchen sie aber auch ein neues Bandmitglied, um das verlorene zu ersetzen…

Und? Schaffen sie es?

Natürlich hat Caligari schon eine Idee, wie man an ein neues Bandmitglied kommen kann. Dazu verpflanzt er einfach das Gehirn eines Schafrichters in den Körper eines Hünen – geboren ist Viktor Sharp. Um sich dem Kult zu erwehren, müssen sie alledings einen traurigen, wie aber auch wirksamen Plan erstellen. Die große Liebe Rods muss dazu sterben, denn ihr Medusenkopf dient als Waffe, welche die Band gegen den Kult einsetzen will. Doch wie schafft man es, alle Anhänger des Kultes an einem Ort zu versammeln? Natürlich mit einem Konzert!

Das klingt alles ein bisschen käsig, ist es denn wenigstens ansprechend gezeichnet?

Nein. Also ja. Also. Die Zeichnungen sind einfach, dafür aber äußerst explizit und in Kombination mit der Story ist das einfach sehr passend, versprüht das Heft doch literweise den Charme alter Pulp-Hefte. Es strotzt nur so vor Sex und Gewalt, Orgien und Enthauptungen und ist vermutlich genau das, wovor euch eure Eltern immer gewarnt haben. Passend dazu werden die einzelnen kapitel von passenden Songtexten der Band begleitet, was nochmal extra das Pulpfeeling hervorbringt, einen aber auch nicht vergessen lässt, dass es sich hierbei um den Comic einer Band handelt. Wahrscheinlich kann man das alles gut mit „Trash“ beschreiben, denn das ist es einfach. Aber ganz toller. Eben wie ein B-Movie in Comicform.

Fazit: Wer auf Horrorpunk und Psychobilly steht oder sogar „The Other“ kennt, wird an diesem Comic nicht vorbeikommen und sich vermutlich auch direkt auf das neue Album „The Devils You Know“ stürzen, das am 15.06. veröffentlich wurde. Alle anderen? Wohl nicht. Aber um die geht es auch gar nicht.