DAYTRIPPER_Hardcover_915[1]Herausgeber: Panini
Veröffentlicht: 08.10.2013
Künstler: Fábio Moon & Gabriel Bá
Art: Hardcover (enthält komplett “Daytripper” #1-10)
Seiten: 260
Sprache: deutsch
Preis: 24,99 € (HC) / 14,40 € (SC)
U-Bahnlesetauglichkeit: Ich fuhr aus Versehen drei mal zwischen den Endstationen der U8 hin und her und bemerkte gar nichts, so fesselnd war es.
Rating: 5 von 5 glücklichen Leben.

Kaufbar bei Amazon (Partnerlink) als Softcover oder Hardcover oder direkt bei Panini, leider ohne Leseprobe.

Das Leben ist ein kostbares und wenn wir nicht innehalten und die schönen Momente genießen, kann es sein, dass es bedeutungslos an uns vorbei rast. Vielleicht müssen wir uns immer wieder vor Augen halten, dass das Leben an sich kein für sich stehendes Konstrukt ist, sondern aus vielen kleinen Momenten besteht, die alle für sich bedeutsam sind, so trivial sie auch erscheinen mögen. Und wenn wir nicht aufpassen, kann es ganz schnell vorbei sein, und wenn wir dabei noch Pech haben, entschieden wir uns in den wichtigen Momenten auch noch völlig falsch. Warum dieser Comic zu schnell vorbei war und warum es eine schlechte Entscheidung ist, ihn nicht zu lesen, erfahrt ihr in folgender Review.

Die Einleitung klingt etwas pathetisch, ist das hier jetzt etwa ein Nachdenkcomic?

Die Geschichte handelt von Brás de Oliva Domingos, der Sohn eines weltbekannten Schriftstellers ist und auch ziemlich darunter leidet, setzt die Welt doch ebenso große Erwartungen in ihn, wie er in sich selbst. Deswegen schreibt er tagsüber Nachrufe in einer Zeitung, während er nachts an seinem Roman schreibt. Das Buch stellt dabei die Frage, wann sein Leben eigentlich genau begann. War es, als er seine erste große Liebe auf äußerst mysteriöse Weise in Brasilien traf? Oder als er endlich der Autor war, der er werden wollte? Also er für seinen besten Freund da war, oder als sein Kind geboren wurde? War es, als er zum ersten Mal geküsst wurde? Die Frage, die das Buch allerdings beantwortet, ist, wann es endete – immer. Denn jede dieser kleinen Episoden aus dem Leben Brás’ endet mit seinem Tod, zeigt uns, dass das Leben aus Momenten besteht. Aus schönen Momenten und vielleicht auch aus traurigen. Es zeigt uns, dass das Leben kurz ist, aber man die Dauer des Lebens verlängern kann, wenn man es mit Erlebnisse ausfüllt. Es müssen nicht unbedingt schöne Erlebnisse sein, sollte es doch eher etwas sein, an das man sich erinnern kann.

Dabei wird jede Geschichte mit einem Nachruf beendet, der so von Brás selbst hätte stammen können, und der in wenigen Worten zusammenfasst, was der Brás bis dahin als Mensch getan hat, wodurch er sich auszeichnete und auf jeden Fall auch, dass er vermisst werden wird. Wer schon mal einen Nachruf las, wird dabei gedacht haben, dass es vielleicht etwas trivial klingt, etwas willkürlich und wie aus einem Nachrufebaukasten zusammengesetzt. Wenn man aber vielleicht den Menschen kennt, weiß man aber auch, dass es trotzdem zutreffend ist, denn jeder wird vermisst. Hoffentlich.

Du schweifst ein bisschen ab, oder?

Eigentlich wollte ich gar nicht den Comic interpretieren, obwohl er quasi dazu einlädt. Er bietet so viele Dinge, die man für sich selbst daraus mitnehmen kann und wenn es nur der leicht abgenutzte Satz “Carpe Diem” ist. “Jeder Tag kann der schönste deines Lebens werden”, aber auch zum schlimmsten und andere abgedroschene Sprüche. Der Comic hat sie kondensiert und hält uns vor, dass sie alle wahr sind, ohne uns allerdings dabei zu ermahnen. Viel mehr zeigt er uns diese Dinge und sagt nicht, dass wir alle traurig sterben werden.

Ich lese da pure Begeisterung heraus

Und das ist wahr. Vielleicht liegt es an mir, dass ich gerade so einen Comic brauchte, der mich daran erinnert, dass man das Leben in volleren Zügen geniessen sollte, vielleicht liegt es aber auch am Comic, dass er genau diesen sentimentalen Nerv trifft, nach einer freien Stelle sucht und solange bohrt, bis man ihm Einlass gewährt. Es ist vermutlich für jeden Leser äußerst leicht auf die ein oder andere Weise einen Bezug zu dem Comic herzustellen und genau das ist der Moment, in dem man ihm ein bisschen verfällt. Es sind eben alltägliche Geschichten, die so wahrscheinlich tausend Mal am Tag geschehen und genau das ist es eben, was das Buch ausmacht. Seine Trivialität im Allgemeinen, seine Besonderheit allerdings im Speziellen. Ich hoffe, man kann mir an der Stelle noch folgen. Ich bin halt begeistert.

Ist es an dieser Stelle eigentlich noch wichtig, wie der Comic gezeichnet ist?

Vermutlich nicht, vermutlich gerade. Was den Comic trägt sind natürlich die vielen Geschichten, unterstützt wird er aber sehr gut von den Zeichnungen. Sie sind milde und weich an den richtigen Stellen und harsch und bedrohlich, wenn sie es sein müssen. Manchmal wirken sie ein bisschen simpel, sind dabei aber nie langweilig oder undetailliert. Sie sind ausdrucksstark und… ich glaube, ich bin an der Stelle nicht mehr objektiv. Ich mag diesen Comic zu sehr, um irgendetwas schlechtes zu finden. Man muss sich natürlich erst ein bisschen an alles gewöhnen, die Geschichten, die Erzählweisen, sicherlich auch die Zeichnungen, aber man wird so sehr belohnt, dass man sich das gerne aufhalst.

Schließlich wird man auch mit einem unglaublich schönen Ende belohnt.

Fazit: Die ganze Review ist mein Fazit und ich nutze die Gelegenheit einfach direkt nochmal zu betonen, wie schön das alles war. Wirklich richtig, richtig schön. Es war aufregend, packend, oft traurig, meistens toll und mir beim Lesen nie egal. Wenn ihr einen ganz besonderen Comic sucht, der absolut hinreißend und aufrüttelnd ist, dann sucht ihr “Daytripper”. Herzlichen Glückwunsch, ihr habt es gefunden. Den Eisner Award für die beste abgeschlossene Serie 2011 hat sich der Comic mehr als verdient.

Disclaimer: Tausend Dank an Panini für das Rezensionsexemplar