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Joe Hill selbst ist natürlich nur selten Comicautor, sondern viel mehr ein Autor, der sehr gute Vorlagen für Comics liefert. Als Sohn vom Autor Stephen King erwartet man aber auch nichts anderes von ihm, als dass er gute Geschichten produziert. Das hatte er ja auch schon mehrfach, beispielsweise mit “The Cape“, Der Fortsetzung “The Cape 1969” und “Locke & Key”, unter Beweis gestellt. Jetzt ist er zurück mit einer Kollaboration, in der er zwar die Vorlage lieferte, es aber am Ende von Jason Ciaramella als Autor und von Vic Malhotra als Zeichner umgestzt wurde.

Wessen Daumenabdruck ist das eigentlich?

Genau das ist die Frage, die sich auch Mallory Grennan, die Protagonistin der Geschichte, stellt. Sie ist nämlich eine aus dem Krieg wiederkehrte Soldatin, die ganz dringend versucht die Dinge, die sie im Gefängnis in Abu Ghraib getan hat, zu vergessen. Als Soldatin war sie dort für die Verhöre von Terroristen zuständig und wir wissen ja aus den Medien, dass dort nicht unbedingt sorgsam mit den Gefangenen umgegangen wurde und das ein oder andere Menschenrecht verletzt wurde. Nun versucht sie ihre Vergangenheit in ihrer Heimatstadt zu vergessen, wird aber jäh von ihnen eingeholt, als sich auf einmal ein Daumenabdruck in ihrer Post anfindet. Ihr ist auch ziemlich schnell klar, dass es irgendwas mit ihrer düsteren Vergangenheit zu tun haben muss.

Und tatsächlich, allerdings auch anders, als sie vermutet. Sie kramt in ihrem Gedächtnis, lässt alte, lieber verdrängt gelassene Erinnerungen, wieder aufleben und so erhalten auch wir als Leser einen Einblick in ihre Verbrechen. Viel mehr erhalten wir als Leser aber auch einen Einblick in den Prozess der Rückkehr aus solchen Erlebnissen und das ist, gelinde gesagt, sehr verstörend.

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Aber genau das ist es auch, was der Comic, oder viel mehr die Geschichte, will. Er will nichts beschönigen, zeigt Tatsachen und verknüpft das alles zu einer spannenden, wendungsreichen Geschichte, die am Ende einen sehr fahlen Nachgeschmack hinterlässt. Natürlich, weil doch alles anders kommt, als man vermutet, aber eben auch, weil man mit Mallory mitleidet und ihr sogar Mitgefühl entgegenbringt, obwohl man das eigentlich nicht möchte. In gewisser Weise versucht die Geschichte vielleicht sogar Verständnis dafür zu schaffen, was diese Soldaten ihren Gefangenen antaten. Man akzeptiert es natürlich nicht, kann es nicht verstehen, dass Menschen solche schrecklichen Dinge tun können und will es auch nicht akzeptieren, aber man erkennt, dass es das gibt, dass es ein Problem ist und es vielleicht keine gute Idee ist Leute aus Krisengebieten, egal, was sie dort taten, ohne Nachbereitung nach Hause zu schicken. Der Comic ist schlichtweg unbequem und verstörend und genauso sollte er sein und genau das macht er sehr richtig.

Und darüber hinaus?

Der Comic selbst ist aber auch ein sehr gutes Beispiel dafür, wie die Transformation eines Werks in ein anderes Medium eigentlich funktioniert. Darüber erzählt Joe Hill selbst im Vorwort des Comics und zum direkten Vergleich bekommen wir auch noch die Kurzgeschichte, die Joe Hill schrieb und auf der der Comic basiert. Außerdem bekommen wir auch noch einen weiteren kurzen Comics namens “Kodiak”, der ebenfalls von Joe Hill in einer Kurzgeschichte verfasst wurde und von Jason Ciaramella in einen Comic verwandelt wurde. Gezeichnet wurde der in dem Fall allerdings von Nat Jones.

Der vorliegende Band kann also mehrere Dinge: Er sensibilisiert uns für ein bestehendes, gesellschaftliches Problem, das so alt ist, wie Kriege selbst, erklärt uns aber auch, dass man Werke nicht 1:1 in andere Medien überführen kann. Und was er vor allem können sollte, ist in eurem Comicregal zu stehen.

Kaufbar bei Amazon oder direkt bei Panini, mit kurzer Leseprobe hier.

Erschienen am: 14.10.2014
Seiten: 132
Format: Sofover
Titel: “Joe Hill’s Thumbprint”
Künstler: Joe Hill, Jason Ciaramella, Vic Malhotra, Nat Jones
Preis: 16,99 €
U-Bahn-Lesetauglichkeit: Das ist genau die Art von Comic, die man in Ruhe lesen sollte und für die man am Ende einen Moment zum Nachdenken braucht
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