PacificRim_DummyCvr_RGBHerausgeber: Cross Cult
Veröffentlicht: 02.07.2013
Künstler:  Guillermo del Toro, Mark McKenna, Sean Chen, Travis Beacham, Yvel Guichet
Art: Softcover (enthält “Die neuen X-Men” #3-4)
Seiten: 112
Sprache: deutsch
Preis: 14,80 €
U-Bahnlesetauglichkeit: Man gab mir High-Fives in der U-Bahn.
Rating: 4 von 5 Cat 5 Kaijus tanzen den Robot.

Kaufbar bei Amazon (Partnerlink) oder direkt bei Cross Cult, wo es auch die Leseprobe gibt.

Lizenzcomics, die irgendwie auf einem Film, einem Spiel oder einer Serie basieren, sind ja meistens ein bisschen schwierig. Vielleicht sind sie doof gezeichnet, vielleicht ist die Story fade, möglicherweise fühlt es sich auch einfach nur so an, also wolle man die Kuh noch ein wenig weitermelken. Auf jeden Fall hege ich wirklich nur ganz selten Hoffnungen, anständig unterhalten zu werden. Wie Pacific Rim mich da überraschte und warum der Comic nicht nur sinnvoll ist, sondern auch auf die richtige Art gemacht wurde, erfahrt ihr in folgender Review.

“Pacific Rim” (der Film jetzt) lief ja bereits vor einigen Wochen in den Kinos an und hatte, zu meiner Überraschung, nicht den Erfolg, auf den ich gewettet hätte. Er war sicher nicht unerfolgreich, aber er hätte mehr verdient. Offenbar ist die Prämisse, riesige Roboter gegen riesige Monster antreten zu lassen, nicht für alle Menschen gleichermaßen interessant. Dabei ist der Film aber tatsächlich noch ein bisschen mehr. Er spricht Dinge an, die in der Vergangenheit geschahen, zeigt eine völlig neue, durch die Kaijus geprägte Welt und ist in sich so authentisch, dass man gerne viel mehr von ihr sehen würde. Und außerdem treten da riesigie Roboter gegen riesige Monster an. Es gibt wenig Cooleres, was ich mich vorstellen könnte. Wie kam man aber in dieser Comicwelt auf die Idee das genau so zu tun? Und wer erfand das am Ende und wer baute es und wer testete es und wer waren die ersten Piloten und wie ganau wurde Stacker Pentecost der Chef des Jaeger-Programms? Das sind alles Fragen, die man sich zwar nicht unmittelbar während des Films stellt, die aber tatsächlich alle im vorliegenden Comic beantwortet werden.

Die Rahmenhandlung bildet eine junge Frau, die als Reporterin Geschichten aus dem Jahr Null sammelt, um daraus einen Artikel für eine Zeitung zu basteln. Sie befragt den Wissenschaftler, wie er genau auf die Idee kam Kampfroboter zu bauen, und plaudert auch mit dem Verantwortlichen des ganzen Forschungsprogramms. Darüber erfahren wir dann, was es genau mit der mentalen Brücke auf sich hat, welche die beiden Piloten herstellen, um einen Jaeger überhaupt steuern zu können, und warum sie überhaupt nötig ist. Dann ist da noch die Geschichte von Pentecost, der aus seiner Zeit als Jaeger-Pilot erzählt und wie er seine Co-Piloten verlor, weil die frühen Jaeger ja unter dem Strich eigentlich nur wandelnde Atomkraftwerke waren. Im Film erfahren wir ja, dass er die junge Mako Mori adoptierte, nachdem er den Kaiju erlegte, der ihre Heimatstadt verwüstete. Im Comic hingegen erfahren wir, wie die beiden überhaupt dieses Vater-Tochter-Verhältnis zueinander aufbauten und warum er einen so starken Beschützerinstinkt ihr gegenüber entwickelte.

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Durch den Kniff, dass die Geschichten nicht als Gegenwart, sondern aus der Erinnerung der Protagonisten heraus, erzählt werden, hat der Comic eine wirklich angenehme Ruhe. Während die Stärken des Film natürlich klar bei der Optik und den tollen Effekten liegen, versucht der Comic umfassend die Hintergründe in kurzen Episoden zu beleuchten, die ein ziemlich düsteres Bild dieser Welt zeichnen. Während im Film quasi schon eine Normalität einkehrte, wird im Comic von purer Panik gesprochen, die die Menschheit befiel. Wenn man es genau nimmt, ist der Comic eine Sammlung von Tragödien, welche die Protagonisten allerdings nur stärker machte und noch verbissener kämpfen liess.

Ich glaube eine Besonderheit des Comics, im Vergleich zu vielen anderen Lizenzcomics, ist, dass er tatsächlich auch vom Drehbuchautor des Films, Travis Beacham, in enger Zusammenarbeit mit Guillermo del Toro geschrieben und entwickelt wurde, was vermutlich ziemlich gut erklärt, warum beide Werke zusammen wie aus einem Guss wirken.

Meckern kann ich lediglich an der Stelle, dass ich den ein oder anderen Vertipper, höchstens zwei, in den Sprechblasen fand. Aber das ist nur eine Sache, die mir persönlich immer schmerzlich auffällt, weil es mich ein bisschen aus dem Lesefluss reisst.

Wenn ihr zu jenen gehört, die den Film absolut toll fanden, dann werdet ihr um diesen Comic vermutlich nicht herum kommen, wollt ihr doch bestimmt wissen, was alles vor dem Film passierte. Ob der Comic funktioniert, ohne den Film gesehen zu haben, weiß ich leider nicht. Vielleicht sorgt er dafür, dass man sich den Film dann doch anschauen möchte. Aber das sollte man sowieso, wenn man das nicht schon lange getan hat.

Vielen Dank an Cross Cult für das Rezensionsexemplar.