JOEHILLDASCAPE21969_Softcover_146[1]Herausgeber: Panini
Veröffentlicht: 18.05.2014
Künstler: Joe Hill, Jason Ciaramella, Nelson Daniel, Zach Howard
Art: Softcover
Seiten: 100
Sprache: deutsch
Preis: 14,99 €
U-Bahnlesetauglichkeit: Da spricht nun wirklich nichts dagegen (außer vielleicht der Part mit dem Flammenwerfer)
Rating: 2 von 5 Ehrenabzeichen

Kaufbar bei Amazon (Partnerlink) oder direkt bei Panini, leider ohne Leseprobe.

Wir erinnern uns ja alle gerne an “Das Cape” von Joe Hill, war es doch mal ein recht frischer Ansatz an die Superhelden-Mythogie. Nun ist er mit einer weiteren Geschichte aus dieser Welt zurück, die uns die Vorgeschichte und vor allem das Warum erklären soll. Prequels sind meistens schwierig und können selten mit dem Original mithalten, aber wie sieht es hier aus? Kann Jonah Hill wieder einmal die Erwartungen erfüllen? Erfahrt es in folgender Review…

Wie war das noch gleich mit dem Cape?
Wir erinnern uns: Die Geschichte handelte von einer Familie, dessen Vater im Vietnamkrieg ums Leben kam. Sein jüngster Sohn kam damit besonders schlecht zurecht, weswegen ihm seine Mutter ein Cape schneiderte, auf das sie das Armeeabzeichen seines Vaters stickte. Von nun an war er ein Superheld, bis zu jenem schicksalhaften Tag, an dem er sich beim Sprung vom Baum im Garten schwer verletzte und seither irgendwie nicht mehr der selbe war. Zudem manifestierten sich Superkräfte in der Form in ihm, als dass er mit Hilfe des Capes nun wirklich fliegen konnte. Leider war er geistig nicht der stabilste, weswegen er seiner Familie die Schuld an seinem Versagen im Leben gab und sie nacheinander umbrachte. Sein Bruder konnte ihn schließlich stoppen, jedoch nicht bevor alles in einer furchtbaren Tragödie endete.

Aber was will man da denn noch erzählen?
Zum Beispiel die Vorgeschichte. Völlig ungeklärt ist nämlich, wie er die Superkräfte erhielt, was aus dem Vater wurde und ob es vielleicht nicht noch irgendwo weitere seiner Art gibt. Wir gehen also zurück ins Jahr 1969, es herrscht Krieg in Vietnam und für alle Beteiligten ist es zweifelsohne die schlimmste Zeit ihres Lebens. Während die Familien zuhause auf die Rückkehr ihrer Väter warten, führen sie einen umstrittenen Krieg mit unabsehbarem Ausgang. Mitten drin ist Captain Chase, der Vater des Jungen, als Sanitäter tätig, der es auch nicht mehr lange hat, bis er endlich nach Hause kann. Es kommt, wie es kommen muss, und sein Helikopter wird abgeschossen, die meisten der Crew sterben und er wird zusammen mit einem Kameraden vom Vietkong festgenommen und in ein Lager gesperrt. In diesem Lager befindet sich ebenfalls ein Schamane, der nicht viel redet, dafür aber recht verwirrt wirkt.
In einem perversen Wettstreit, den der Lagerleiter unter den Gefangenen austragen lässt, scheint der verrückte Schamane ein merkwürdiges Ritual mit Chase auszuführen (Zungenkuss inklusive), bei dem er irgendetwas murmelt und das Abzeichen von Chase berührt. Wir wissen natürlich, was es damit auf sich hat, er findet das aber natürlich höchst merkwürdig, bis er eines Tages feststellt, dass er plötzlich fliegen kann. Für ihn ist das natürlich die Chance zur Flucht, allerdings ist es ihm ein großes Anliegen vorher noch den Lagerleiter zu töten. Wie die Geschichte dann aber ganz am Ende ausgeht, wissen wir natürlich, haben wir doch alle “The Cape” gelesen. Oder zumindest dessen Review.

Ein bisschen klingt das ja nach der Geschichte des ersten Teils
Die Motive sind sicher ähnlich, handeln ja beide Geschichten von der Rache, welche die Protagonisten erst ausleben können, nachdem sie über ihre Fähigkeiten verfügen. Außerdem scheinen sich beide Figuren nahe am Wahnsinn zu bewegen, der eine mehr, der andere weniger, was die Frage aufwirft, ob das entweder mit außergewöhnlichen Fähigkeiten einhergeht oder gar familär bedingt ist.
Allerdings ist auch die Geschichte um den Lagerleiter interessant, da Chase und er sich gar nicht so unähnlich sind. Beide kommen aus den USofA, haben Kinder, um die sie sich sorgen, und wollen eigentlich nur in Frieden leben, wissend, dass das zum aktuellen Zeitpunkt nicht möglich ist. Und beide geben alles, um ihre Ziele zu erreichen.

Aber ist es nicht trotzdem die gleiche Geschichte?
Die Motive sind ähnlich, die Figuren irgendwie auch und die Geschichten folgen ähnlichen roten Fäden, weswegen man sicher behaupten kann, dass es die gleichen Geschichten, nur eben in unterschiedlichen Umgebungen, sind. Allerdings erzählt diese hier darüber hinaus eben auch die Origin dieser Superkräfte und wirft nochmal ein etwas anderes Licht auf die Geschehnisse des ersten Teils. Dafür allerdings nicht völlig andere und obwohl es Verbindungspunkte in den ersten Teil gibt (Briefe an die Mutter, dass Chase nicht zurückkehren wird und ein Brief mit eben jenem Abzeichen), steht “Das Cape 1969” doch für sich alleine. Dazu muss man allerdings sagen, dass der erste Teil in seinen Aussagen und Entwicklungen ein bisschen härter ist, was velleicht auch nur daher kommt, als dass das Prequel ziemlich genau in die selbe Kerbe schlägt. Daher vielleicht auch das Gefühl, dass man dieses oder jenes schon mal irgendwie gesehen hat und nichts so wirklich neu ist. Schade ist auch ein bisschen, dass zwar versucht wird die Schrecken des Krieges zu erzählen, das aber etwas hinter der Geschichte des Mannes, der sich an seinem Peiniger rächen will, verblasst.

Fazit: Es ist okay, man kann es lesen und wenn man den ersten Teil mochte, wird man auch das hier mögen. Trotzdem bleibt das Gefühl, dass nicht viel neues erzählt wurde und auch, wenn man nun weiß, woher das Cape diese Fähigkeiten hat, ist es für den ersten Teil der Geschichte doch nicht relevant. Man könnte die beiden Comics vermutlich sogar unabhänging voneinander lesen und vermutlich würde man feststellen, dass “The Cape” am Ende ein bisschen besser und für den Leser wesentlich zerstörerischer ist.

Disclaimer: Vielen Dank an Panini für das Rezensionsexemplar