Herausgeber: Panini
Originaltitel: Nemesis 1 – 4
Veröffentlicht: 20.09.2011
Künstler: Mark Millar, Steve McNiven
Art: Softcover
Seiten: 108
Sprache: deutsch
Preis: 14,95€
U-Bahnlesetauglichkeit: Absolut nicht gegeben. Ich musste das Heft echt oft vor den Blicken von Kindern bewahren.
Rating: 
Drei von vier eingeschlagene Polizeihelme

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Was wäre, wenn man Batman sich nicht dazu entschieden hätte, die Welt oder zumindest Gotham vom Verbrechen zu befreien, sondern es tatkräftig zu unterstützen und selbst der größte aller Superschurken zu werden? Was wäre, wenn er sein unermässliches Erbe nicht zum Guten aufwändete, sondern um Angst und Schrecken unter den Leuten zu verbreiten? Was wäre, wenn es gar keine Helden, sondern nur einen einzigen, furchtbaren Superschurken gäbe? Wie Mark Miller und Steve McNiven diese Fragen beantworten, könnt ihr in diesem Comic lesen. Und was ich davon halte, in dieser Review.

Bitte nochmal kurz etwas zur Story. Es gibt nur einen Superschurken? Keine Helden?

Irgendwie schon, denn im Prinzip gibt es eben wirklich nur einen Superschurken, der Spaß daran hat, herausragende Polizisten herauszufordern, was eigentlich aber auch mehr nach foltern aussieht. Diesen gibt er nämlich den Zeitpunkt ihres Todes bekannt, wodurch eine Art Spiel (zumindest für Nemesis ist es eins) begonnen wird, dass unser Superschurke noch nie verlor. Nachdem er zu Beginn des Comics einen Polizisten aus Tokyo foltert, quält und schliesslich natürlich auch tötet (ihr seht hier einen kleinen Auszug aus der Szene. Werft unbedingt mal einen Blick in die Leseprobe, wenn ihr wissen und vor allem sehen wollt, wie es ausgeht), hat er sich den washingtoner Cop Blake Morrow ausgesucht, der offenbar nicht nur eine kleine Berühmtheit ist, wird er doch als Oprahs Lieblingspolizist bezeichnet, sondern auch, trotz seines Alters, immer noch ziemlich badass ist und ein paar Geiselnehmer auch mal kurzerhand erlegt.

Okay, das klingt ganz nett. Was zeichnet den Comic darüber hinaus noch aus?

Tatsächlich ist das alle mehr, als ganz nett. Hauptsächlich erstmal äußerst brutal und übertrieben explizit in der Darstellung, aber auch sehr psycho und stellenweise auch krank und pervers in der Handlung. Wer Mark Millers „Kick-Ass“ gelesen hat, der übrigens auch bei Icon Comics, die irgendwie zu Marvel gehören und wo Zeichner ihre eignen Geschichten veröffentlichen können, erschien, weiß, dass Mark Miller einen ziemlichen Hang zu äußerst gewalttätigen Darstellungen hat. Mit McNiven scheint er da auch jemanden gefunden zu haben, der sie ihm zeichnet. Da geht es von brachial abstürzenden Flugzeugen über von Zügen erfassten Leuten bis hin zu einer tödlich endenden Massenschlägerei. Das kann man mögen, muss man aber durchaus nicht. Ich kann mir wirklich sehr gut vorstellen, dass das einigen Leuten viel zu explizit ist.

Ist es denn die Gewalt, die den Comic trägt?

Auf eine Weise zeichnet sie den Comic wirklich aus. Würde ich jemandem von dem Comic erzählen, was ich hier ja quasi gerade mache, würde ich auf jeden Fall auch als erstes davon berichten. Allerdings ist die Geschichte mitunter auch wirklich clever geschrieben. Nemesis ist wirklich ein großartiger Schurke und Blake Morrow ein mehr als würdiger Gegner, der zwar nicht immer moralisch vertretbar handelt, aber doch auch auf eine Art richtig. Dabei hat Nemesis allerdings einen Plan, der sich erst gegen Ende so richtig aufschlüsselt und es hat den Anschein, dass genau alles, wirklich alles und wirklich jede Tat jedes Protagonisten, von ihm von langer Hand akribisch geplant wurde. Ganz am Ende jedoch gibt es nochmal einen Woah-Effekt, der aber auch mehr ein Woah-Alter-Krass-Effekt ist.

Fazit: Man kann den Comic lesen, ich hatte viel, sehr viel Spaß daran, finde aber manche Wendungen ein bisschen zu krass und auch ein bisschen zu absurd. An einer Stelle, die für die Story nur minderwichtig ist und eigentlich nur die perverse Brutalität von Nemesis auf vielen verschiedenen Ebenen darstellt, pflanzt er nämlich der Tochter Morrows eine von ihrem schwulen Bruder befruchtete Eizelle ein. Würde man die Schwangerschaft abbrechen, wäre sie fortan unfruchtbar. Das finde ich gelinde gesagt ein bisschen zu viel. Sicherlich zeigt es sehr gut, dass Nemesis keine Grenzen gesetzt sind und er mit seinem Reichtum wirklich alles bewerkstelligen kann, aber es ist mir persönlich, wie gesagt, too much.
Trotzdem, ich hatte viel Spaß, musste sogar, ob der äußersten Absurdität, oft lachen und würde das jedem (Erwachsenen) empfehlen.

Disclaimer: Vielen Dank an Panini!